Der Bundestag ist doof.

Das x ist ein u. Gaslighting-Kurs für Anfänger. So hatte ich meinen Titel zuerst geplant gehabt. Wer hätte diesen Titel verstanden?

Der Bundestag ist doof klingt interessanter. Warum ist der Bundestag doof? Weil er eine Pressestelle unkontrolliert Unsinn schreiben lässt.

Wie in ihrer Mitteilung vom 2. November 2020. „Mehr sexuelle Selbstbestimmung“ wird hier getitelt. Gemeint ist aber geschlechtliche Selbstbestimmung, es geht um das Transsexuellengesetz und das Thema der Personenstandsänderung. Doof wäre es nicht, wenn hier ein Schreibfehler passiert wäre. Einfach in der Eile… Aber in der 1. Zeile wird „sexuellen“ wiederholt. Auch im 3. Absatz steht wieder „sexuelle Selbstbestimmung“. Ein „Vertun“ kann also ausgeschlossen werden. Hier meint jemand, dass er das Richtige schreibt. Handelt also mit einem Wissen. Wissen wird dann zu Unwissen, wenn ich völlig falsch liege. Unwissen wird umgangssprachlich zu dumm. Oder doof. Doof klingt lustiger als dumm. Dick und Doof klingt nach Spaß. Meine Überschrift ist also spaßig.

Aber haben wir es wirklich mit Dummheit zu tun? Der gleiche Sachverhalt wird nämlich am 27. Oktober, wenige Tage zuvor in einem Artikel bereits behandelt. Und hier wird richtig getitelt: „Anhörung über Vorlagen zur geschlechtlichen Selbstbestimmung“. Und auch hier wird bereits in der 1. Zeile des Textes „geschlechtlich“ wiederholt. Also kein „Vertun“. Und das Wort Geschlecht kommt in Variationen ganze 24 mal im Text vor. Ja, es handelt sich ja auch um das Geschlecht. Nicht um die Sexualität. Im Text über „sexuelle Selbstbestimmung“ kommt das Wort Geschlecht in Variationen zumindest 10 mal vor. Das hätte doch für ein Nachdenken sorgen können… Wer ist für solche Pressemitteilungen eigentlich verantwortlich? Schreibt diese Texte irgendjemand, der gerade Zeit hat? Egal wer hier für „sexuelle Selbstbestimmung“ kämpft, er liegt falsch. Es geht nicht um Sexualität.

Jetzt bleibt die Frage: Nur dumm oder Vorsatz? Dummheit schließe ich in diesem Fall aus. Ich gehe davon aus, dass hier absichtlich der Sachverhalt, der Kontext in den Bereich der Sexualität gezogen werden soll. Damit wird der Sachverhalt völlig verzerrt, vernebelt. Ja, sogar neutralisiert. Völlig falsch dargestellt. Ja, völlig falsch dargestellt gefällt mir. Es passt zum F64.0 Code, der Menschen pathologisiert, nur weil sie um ihr Geschlecht wissen. Es gibt sogar einen Namen für diese absichtliche Falschdarstellung:

Gaslighting.

Gaslighting ist eine Form von psychologischer Manipulation. Besonders wirksam immer dann, wenn der Empfänger der Falschnachricht den Sender für besonders kompetent hält. Dann wird es besonders schwierig für den Empfänger, seiner Wahrnehmung noch zu trauen. Wenn das x, was er sieht, ein u sein soll. Wiederholt der Sender seine Aussage nur oft genug, entsteht beim Empfänger eine Art Wahrnehmungsverlust durch Anzweifelung dessen, was er wahrnimmt. Das Ergebnis: Der Empfänger dreht früher oder später durch. Weil er in einen Raum ohne Halt gelangt. Er kann sich selbst nicht mehr trauen. Das, was er sieht, ist ein x, es wird aber gesagt, er sieht ein u. Gaslighting ist auch ein Fachbegriff aus der Forschung über narzisstischen Missbrauch. Es ist Lügen auf höchstem Niveau. Vielleicht ist Lügen ja eine Straftat. Dummheit ist immer gut, um Lügen zu verbergen. Sich dumm stellen. Eine Taktik, die uns bekannt ist. Sich dumm stellen wird dann zum Gaslighting, wenn Du den, der sich dumm stellt, aber für jemanden hälst, der eigentlich immer Recht hat.

Es ging also in der Pressemitteilung vom 2. November um die sexuelle Selbstbestimmung. Gut. Da ich ja bereits schon gut gegaslighted worden bin, nehme ich diese Aussage jetzt als wahr in mir auf und trinke einen Tee.

Da AKTION-SELBST-DENKEN auch der Satire gewidmet ist, werde ich mich jetzt weiter um meine sexuelle Selbstbestimmung kümmern. Muss nur schauen, welches Zimmer im Rathaus dafür zuständig ist. Das Standesamt hat mir soeben gesagt, ich wäre falsch. Wir lesen uns.


Author: Carol Rose

Carol Rose ist ein ursprünglicher Künstlername für den Autor und antipatriarchalen Feminist und Aktivist Dirk Stabernack. Dirk verwendet auch seit 1998 den weiblichen Namen Jasmin in seinem privaten Umfeld. Carol ist selbst keine klassische Frau, sondern sieht sich als Zwischenwesen, nonbinär wäre eine Schublade, die eher passen würde. Der Vorname Carol passt hier sehr gut, da Carol nur im deutschsprachigen Raum als weiblich gelesen wird, international wird Carol auch für Männer verwendet. Im Prinzip aber auf jeden Fall passend ist eine Form der Varianz einer Geschlechtsentwicklung. Carol blogged seit ca. 2013 und ist nun mit ihren Texten auch durch Buchveröffentlichungen (2019) und seit 2020 auch durch die Vertonung ihrer Texte und Romane in das Format von Hörspielen mehr in die Sichtbarkeit gerückt. Carol ist in keiner Partei und auch nicht in einer Organisation. Dadurch kann sie frei argumentieren, sie ändert daher auch ihre eigenen Ansichten ab, wenn ihre Erkenntnisse für sie selbst weiter fortgeschritten sind. Sehr früh hat sie die Begriffe der Identität verlassen und seit ca. 2015 auch Abstand genommen von allen Geschlechterbegriffen, die mit T beginnen. Sie hält diese für Ableitungen aus dem patriarchalen Konstrukt. Selten wirkt Carol Rose öffentlich, ihr Blog war aber der initiale Punkt, dass Frank Plasbergs Talkshow "hart aber fair" 2015 über das Thema Gender wiederholt werden musste. Ein erstmaliger Vorgang überhaupt. Durch Tweets, die sie eine Woche lang fast stündlich abfeuerte, wurden Frauenverbände aufmerksam und schalteten sich in die Debatte ein. Frank Plasberg löschte seinen Twitteraccount 5 Tagen nach der Erstsendung. Carol wirkt aber selten öffentlich, sie zieht es vor, ihre Erkenntnisse in Kunstform in den Mainstream zu bringen, was eine Herausforderung ist, da sich dieser selten freiwillig um Themen kümmert, die nicht unterhalten und nicht interessant erscheinen. Einblicke in diese Arbeit, den Mainstream mit dem Geschlechterdiskurs zu erreichen, findest Du in dem Hörspiel Salammbo: http://traumhafte.salammbowelt.de

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