Prostitution verbieten? Wir sagen: Hirn einschalten!

Aktuell laufen wieder die Debatten um ein Verbot von Prostitution, ein Verbot von Sexarbeit. Sie wollen Sexarbeit verbieten, weil sie denken, dadurch auch die gezwungene Prostitution und gewalttätige Zuhälter verbieten zu können. Sie wollen Sexarbeit verbieten, weil sie denken, sie würden damit auch die Gewalt von Freiern unterbinden. Sie wollen Sexarbeit verbieten, weil sie denken, sie würden damit die Armut von Sexarbeiterinnen beseitigen. Sie wollen Sexarbeit verbieten, weil sie denken, sie würden damit „Frauen retten“.

Klartext:

Die Autorin dieses Beitrags ist selbst Sexarbeiterin. Sie ist Sexarbeiterin aus Überzeugung. Sie ist Sexdienstleisterin, weil sie es sein möchte. Sie ist Dienstleisterin für sexuelle Dienste, weil sie Sex liebt und es liebt, anderen Menschen etwas Gutes zu tun.

Man stelle sich vor, es soll ja Frauen geben, die sexuell unabhängig sind und sich selbst für so geil und sexy halten, dass sie ihre Dienste freiwillig und sehr, sehr gerne anbieten.

Selbstbestimmung nennt man so etwas! Das Recht auf eigene, freie Entscheidungen! Das Recht auf den eigenen Körper!

Sicherlich, ja, es gibt natürlich gewalttätige Zuhälter. Ja, es gibt erzwungene Prostitution. Ja, es gibt erzwungene Prostitution mit Minderjährigen. Ja, es gibt Gewalt von Freiern.

Doch all dies wird ein Verbot nicht verhindern. Denkt doch einmal nach, wir hatten das doch schon einmal! Bevor Prostitution legalisiert wurde!

Seit 2002 ist Prostitution als Beruf anerkannt und seit 2017 gibt es das Prostitutionsgesetz. Vor 2002 war es nicht besser, ganz im Gegenteil! Da fand man in jeder größeren Stadt einen Straßenstrich, wo junge Mädchen gezwungen wurden, anschaffen zu gehen.

@sexworkpol hat dazu ebenfalls eine ganz eindeutige Meinung:

Wenn ich lesen muss, dass eine Stadt wie Stuttgart Haushaltsgelder aufwendet um die Prositution vollständig zu eliminieren:

…dann frage ich mich ernsthaft, wo ist da die Selbstbestimmung der Frau?

Du fragst dich sicher, was solch eine Meinungsmache zu einem persönlichen Anliegen der Autorin hier auf diesem Blog zu suchen hat?

Sehr viel, denn das Thema ist hochpolitisch. Oder sogar nur politisch.

Das Verbot von Sexarbeit, bzw. Prostitution ist ein eindeutig politisches Thema, denn zumeist geht der Ruf nach einem Verbot von eindeutig rechten Gruppierungen aus. Das sind „besorgte Eltern“ die AfD oder Reichskriegsflaggen hoch halten und gegen die Aufklärung über Homosexualität oder Transsexualität an Schulen protestieren. Das sind „besorgte Wutbürger“ – oder aktuelle Politiker, nicht Herr Merz? – , die Homosexualität oder Transsexualität mit Pädophilie gleich setzen.

Eine der glühendsten „Feministinnen“ und TERFs der Neuzeit, Alice Schwarzer, ruft eine „NoPorn“ Kampagne aus und vergißt dabei, dass es hier doch eigentlich gerade um die Rechte der Frauen, um die Selbstbestimmung der Frauen, ein hoch feministisches Thema, geht!

All das ist auch ein hoch politisches Thema!

Frauen schliessen Frauen aus! Lesben schliessen Lesben mit transsexueller Vergangenheit aus! Buchautoren schliessen Frauen ohne Menstruationshintergrund aus! Feministische Vereinigungen wie Terre des Femmes e.V. schliessen nicht gebärfähige Frauen aus! Sogar selbst Frauen mit einer Variante der Geschlechtsentwicklung und allen Operationen hinter sich, schliessen Frauen aus, die ihre Operationen noch nicht hatten! Hat oder hatte man einen Penis? Ist man eindeutig ein Kerl.

Das ist eindeutiger Trans ausschliessender, radikaler Feminismus (Trans-Exclusionary Radical Feminism).

Aber ich schweife ab…

Ein Verbot von Sexarbeit wird erzwungene Prostitution nicht beenden! Ein Verbot von Sexarbeit wird Gewalt von Zuhältern oder Freiern nicht beenden und ein Verbot von Sexarbeit wird weder Armut, noch sexuelle Unterdrückung beenden!

Ein Verbot von Sexarbeit wird einzig und alleine dafür sorgen, dass die Selbstbestimmung der Frau und die sexuelle Freiheit der Frau, das Recht am eigenen Körper noch mehr eingeschränkt und zunichte gemacht werden!

Wenn ihr etwas für Sexarbeiterinnen tun wollt, dann sorgt für bessere Arbeitsbedingungen, anstatt ihnen genau diese ganz weg zu nehmen!

Gez. Christin Löhner

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Author: Christin Löhner

Christin Löhner ist Aktivistin. Sie ist selbst eine Frau mit Variante der Geschlechtsentwicklung, also Geschlechtsinkonguenz und engagiert sich sehr stark im sozialen Bereich für ihre Mitmenschen, insbesondere für ihre Mitbetroffenen. Im September 2016 gründete sie die einzige Selbsthilfegruppe für Transsexuelle Menschen im gesamten Bodenseeraum. Seit dem ist diese Gruppe zu einer bundesweiten Selbsthilfeinitiative und Dachverband angewachsen, zur VDGE e.V., der inzwischen aus sieben Selbsthilfegruppen und zwölf Peerberatungsstellen in ganz Deutschland und in der Schweiz besteht. Aktuell besteht diese Initiative aus ungefähr 68 Mitglieder und drei Vereinen, die eng mit der VDGE e.V. kooperieren. Mehr Infos hier: https://www.vdge.org Deutschlandweit begleitet Christin derzeit rund 150 transsexuelle Personen auf ihrem Weg und steht ihnen mit Hilfe und Ratschlägen in allen Fragen und Belangen transsexueller Menschen, oder mit Tipps und Antworten zu Hormonen, Operationen, Ärzten, sowie Mode- und Stilberatung zur Seite. Außerdem hält sie Seminare, Workshops und Vorträge über sexuelle und geschlechtliche Vielfalt, Akzeptanz, Toleranz, Mobbing oder auch Homo- und Transphobie an Universitäten, Schulen und sozialen Einrichtungen und leistet so Präventionsarbeit und Aufklärung. Sie kämpft für die Rechte von Menschen aus dem gesamten LGBTTIQ* Spektrum, vor allem aber natürlich für die von transsexuellen Menschen. Dafür ist sie auch in sämtlichen Medien wie Fernsehen, Radio und Zeitungen ständig präsent. Mehr Infos hier: https://c.loehner.vdge.org/presse/ Christin ist außerdem Landesvorsitzende Baden-Württemberg der Bundespartei Allianz für Menschenrechte, Tier- und Naturschutz und setzt sich im Namen dieser Partei für Menschenrechte und alle Queeren und LSBTTIQ+ Menschen ein. Ab November 2019 kandidierte sie für das Amt der Oberbürgermeisterin von Konstanz, zog ihre Kandidatur jedoch im Februar 2020 wieder zurück, als ein Kandidat die Bühne betrat, der ein fast identisches Wahlprogramm und deutlich mehr politische Erfahrung hatte. Mitte 2019 veröffentlichte sie ihre eigene Autobiographie mit dem Titel "trans(*)parent", in der sie von ihrem Leben, dem Leidensweg und ihrer Transition berichtet, viele Tipps rund um dieses Thema gibt und Informationen bereithält. Mehr Info: https://christin.vdge.org/transparent-die-autobiographie-von-christin-loehner/

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